Hofbesichtigung und Podiumsdiskussion mit Friedrich Ostendorff MdB

Die Zukunft der Landwirtschaft ist für mich ein wichtiges Thema. Insbesondere auf meinen sommerlichen Albtouren erfahre ich, wie notwendig die Arbeit der Landwirte für das Landschaftsbild und vor allem für die Lebensmittelproduktion ist. Es war mir daher ein besonderes Anliegen, den agrarpolitischen Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion Friedrich Ostendorff auf die Schwäbische Alb einzuladen und einen ganzen Tag den Themen „Milch, Markt und Menschen“ zu widmen.

 

Nachmittags standen bei kalten Temperaturen zwei Hofbesichtigungen auf dem Programm - bei Andreas Heidecker in Münsingen-Hundersingen und bei Frank Siefert auf dem Steighof bei Münsingen-Bichishausen. Friedrich Ostendorff, der Grüne Landtagskandidat Dominic Esche und ich konnten mit den Landwirten und ihren Familien Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Betriebe diskutieren. Beiden Höfe leben hauptsächlich von Milchviehhaltung – und haben sich dem „Bund deutscher Milchviehhalter e.V.“ angeschlossen, da sie die Interessen der kleineren Betriebe durch den Bauernverband nicht mehr ausreichend vertreten sehen. Insbesondere der viel zu niedrige Milchpreis bleibt ein ungelöstes Problem – zwar hat er sich mittlerweile wieder etwas stabilisiert, er deckt jedoch immer noch kaum mehr als die Herstellungskosten von 40 Cent je Liter Milch – oft nicht einmal das. Mit dem für 2015 geplanten Ende der Milchquote droht den Milchbauern ein neuer, existenzbedrohender Preiskampf.

 

Welche Antworten die Politik geben muss und welche Lösungswege möglich sind, stand am Abend dann im Mittelpunkt der Diskussionsrunde mit Friedrich Ostendorff, Frank Siefert und Gebhard Aierstock, dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Reutlingen im Münsinger Gasthof Herrmann. Es wurde deutlich, dass die Landwirtschaftspolitik der Grünen vor allem auf die bäuerliche Landwirtschaft statt auf Agrarfabriken setzt. Kleine Betrieb unter 100 Stück Vieh müssen eine Chance haben und sind unserer Meinung nach die Zukunft. Regionalität ist ein zentrales Element dieser Strategie. Und es muss nachhaltig und artgerecht gewirtschaftet werden. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darin, dass Skandale wie der jüngste um Dioxin-Belastung in Lebensmitteln, der Landwirtschaft als Ganzes schaden – und bei einer Politik, die lediglich auf möglichst niedrige Erzeugerpreise schaut, unvermeidbar sind. Es war eine im besten Sinne kontroverse, sehr engagierte Diskussion unter den Podiumsteilnehmern und mit dem Publikum. Es wird noch Kraft erfordern, für das Konzept einer Rückbesinnung auf bäuerliche Werte in der zunehmend industrialisierten Landwirtschaft zu werben. Aber es ist – so habe ich aufs Neue gelernt – für die Zukunft des ländlichen Raumes unvermeidbar. Ich bleibe dabei: Die Zukunft der Landwirtschaft liegt dort wo auch ihre Geschichte liegt: in den Familienbetrieben, in der Nähe zum Verbraucher, im Respekt vor Natur und Tier.

 

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